Praktische Hinweise zum Vorstellungsgespräch 
und/oder

Auswahlkriterien für einen Ausbildungsbetrieb im Ausbildungsberuf „Landwirt/in"

   Weitere Hinweise:  http://www.pauli-web.de/karrierestart/dein1.htm  !! nützlich !!

Sinn und Zweck des Vorstellungsgespräches sollte sein, eine "Vorstellung" darüber zu bekommen, ob Ausbilder und Auszubildender zueinander "passen", und ob der Betriebstyp für den Auszubildenden aufgrund seiner Interessenlage der richtige ist.

Die Erfahrung lehrt: Manche späteren Auseinandersetzungen und Enttäuschungen hätten vermieden werden können, wenn im Vorstellungsgespräch dieser oder jener Punkt besser abgeklärt worden wäre. Es versteht sich von selbst, dass folgende Merkpunkte nicht umfassend und schematisch wie eine Scheckliste anzuwenden sind.

Diese Empfehlungen wurden von Betroffenen (Ausbildern und ehemaligen Azubis) zusammengestellt und können – vor allem für junge Ausbilder – als Gedächtnisstütze hilfreich sein. Der Ausbilder sollte dabei bedenken, dass für die meisten Auszubildenden der Beginn der Lehre in einem Fremdbetrieb ein entscheidender Schritt aus dem Elternhaus ist, dem die jungen Menschen mit Spannung und besonderen Erwartungen entgegensehen. Suchen und finden des "passenden" Ausbildungsbetriebes ist aus Sicht des Auszubildenden und dessen Eltern eine einmalig wichtige Angelegenheit.

 

Fragen, auf die sich ein Auszubildender vorbereiten muss:

1. Informationen zur Person des Bewerbers:  z.B. Berufswahl, Schulbildung, Berufserfahrung, Freizeit

  • Warum bewirbst du dich für den Beruf des Landwirts?
  • Seit wann interessierst Du dich für den Beruf?
  • Was weist Du von dem Beruf? Woher hast du deine Informationen?
  • Wie stellst du dir die Ausbildung und die Aufgaben vor?
  • Wo siehst du Vor-, wo Nachteile des Berufes?
  • Wie stellst du dir den weiteren Berufsweg vor?
  • Warum hast du dich gerade bei unserem Betrieb beworben?
  • Wer gab Anstoß zu dieser Bewerbung?
  • Was weist du von unserem Unternehmen?
  • Wo hast du dich noch beworben?
  • Welchen anderen Beruf könntest du dir für dich vorstellen?
  • In welchen Schulfächern hast du überdurchschnittliche Leistungen erzielt?
  • Welche Fächer haben dir am meisten interessiert?
  • Welche Fächer fielen am schwersten? Warum?
  • Bist du mit den Schulnoten zufrieden?
  • Wie hättest du bessere Noten bekommen können?
  • Wie bist du mit deinen Lehrern ausgekommen?
  • Wie mit den Mitschülern?
  • Bist du gerne zur Schule gegangen?
  • Hat die Schule dich auf das Berufsleben vorbereitet?
  • Hast Du Praktika absolviert? Wenn ja, wo?
  • Was hat dir besonders gefallen? Was nicht?
  • Was machst du in deiner Freizeit?
  • Welche Hobbys hast Du?
  • Wie bist du dazu gekommen?
  • Erzähle bitte  darüber?
  • Gehörst du Vereinen, Gruppen an?
  • Welche Zeitungen/Illustrierten liest du?
  •  Welche Sendungen siehst Du am liebsten im Fernsehen?

2. Informationen über Ausbildung, Unternehmen, Ausbildungsverlauf, Arbeitszeit, Ausbildungsvergütung usw.

  • Was weist du über den Ausbildungsberuf?
  • Was weist du von unserem Unternehmen?
  • Was weist über den Ausbildungsverlauf?
  • Woher hast du deine Informationen?
  • Welche Vorstellungen hast du von den zu erwartenden Arbeitszeiten und der zuzahlenden Ausbildungsvergütung?
  • Warum solltest gerade Du den Ausbildungsplatz bekommen?

Praktische Hinweise zum Vorstellungsgespräch auf dem landwirtschaftlichen Betrieb

Begrüßung und erster Eindruck

Der erste Eindruck prägt sich vielfach fest ein. Daher ist eine verbindliche Begrüßung (mit Nennung des Namens) wichtig. Eine Begleitung der Eltern ist positiv zu werten. Sie dürfen allerdings nicht zu sehr das Gespräch dominieren. Eltern achten auf andere Dinge wie der Azubi: Unterkunft, Arbeitswirtschaft, Ordnung im Betrieb und Haushalt sowie die familiären Verhältnisse. Der junge Azubi lässt sich eher von einer größeren Flächen- und Maschinenausstattung beeindrucken. Dabei wird der Umfang der Stallarbeiten oftmals unterschätzt.

Vorbildung und Vorstellungen/Interessen/Neigungen des Auszubildenden

Auskünfte über schulische Vorbildung und schulische Leistungen sind zwar von Interesse, sollten jedoch nicht überbewertet werden für die praktische Tätigkeit im Betrieb. Aber bei schwachen Azubis evtl. Probleme mit der Berichtsheftführung nicht unterschätzen.
Welche Vorstellungen/Vorkenntnisse und Neigungen hat der Jugendliche von dem Beruf und der Arbeit in der Landwirtschaft? Weshalb will er gerade diesen Berufsweg einschlagen? (Maschinenfreak oder Züchterneigungen? Übernahme des elterlichen Betriebes? Wunsch der Eltern? Eigene Passion oder Motivation? Verklärte Vorstellungen vom Leben auf dem Lande oder Illusionen vom alternativen Landbau?
Hier muss sich der Azubi unbedingt selbst äußern ("Vorstellungsgespräch")! Wenn hier Bedenken bestehen, dann unbedingt sofort und direkt die Ablehnung aussprechen.
Ausdrücklich Fragen nach besonderen Wünschen des Azubis oder der Eltern, die sich später u.U. nicht oder nur schwer gemeinsam verwirklichen lassen (z.B.: Vereinssport und Turnierbesuch, Jagdschein und Führerschein, Jagdhornblasen oder Tanzkurs, Urlaubspläne oder Besuch der Freundinnen, Mithilfe im elterlichen Betrieb (Doppelbelastung), Mitbringen des eigenen Pferdes oder Hundes, u.v.m.

Vorstellung des Betriebes 

Eine angemessene Betriebsbesichtigung mit Schilderung der betrieblichen Strukturen (Lohnarbeiten, Pachtungen, Betriebsteilung, o.ä. und Schilderung des regelmäßigen Tagesablaufes (Beginn, Pausen, Ende!!) ist selbstverständlich. Ebenso sollten die verschiedenen Aufgabenbereiche und deren Verteilung auf die mithelfenden Familienangehörigen (Altenteiler, Ehefrau, Onkel, Nachbarschaftskinder) erläutert werden. Wird der Azubi an alle Arbeiten der Innen- und Außenwirtschaft herangeführt? Wird er mit allen Maschinen arbeiten können?
Derzeitigen Azubi nicht "verschwinden" lassen, sondern zumindest vorstellen oder diesen bei dem Betriebsrundgang mit einbeziehen. Darüber hinaus die Wohnmöglichkeiten mit Zimmer mit Schreibtisch, Wasch- und Duschgelegenheit, usw. zeigen.
Wie stark wird der Ausbilder durch ehrenamtliche Tätigkeiten in Anspruch genommen?
Wie häufig wird voraussichtlich der Auszubildende vom Betrieb abwesend sein? (aufgrund verschiedenster Anlässe wie Sport, regelmäßige Mithilfe oder Baumaßnahmen auf dem elterlichen Betrieb, Urlaub usw.)

Kernpunkte des Ausbildungsvertrages

Aufschlüsselung des Bruttolohns, Verrechnung der Sachleistungen, Sparzulagen, tarifliche und übertarifliche Vergütungen?
Erledigung außergewöhnlicher Arbeiten wie saisonale Arbeitsspitzen, geplante Baumaßnahmen, Waldarbeit, Schweine und Puten verladen, Kalbungen?
Regelmäßige tägliche Arbeitszeiten, Erwartungen bzgl. der Arbeit vor und nach dem Berufsschulbesuch? Unbedingt sind die Erwartungen bzgl. der Wochenenddienste verbindlich zu besprechen!
Dauer der Probezeit? Vereinbarung zur Vertragsdauer infolge Beendigung des Ausbildungsverhältnisses durch vorzeitiges Bestehen der Abschlussprüfung. Vergütung nach der Abschlussprüfung?
Können alle geforderten Ausbildungsinhalte wie z.B. Reproduktion, Grünland, u.a. im Betrieb bzw. in dem Ausbildungsverbund der Betriebe vermittelt werden? D.h.: Passen die verschiedenen Ausbildungsbetriebe zueinander?
Erwartungen bzgl. einer korrekten Berichtsheftführung und regelmäßigen Durchsicht des Berichtsheftes!

Aufnahme in die häusliche Gemeinschaft

Familienanschluss bedeutet: Vertrauensverhältnis, Anpassung, Rücksichtnahme, Verschwiegenheit und Diskretion zu familiären und betrieblichen Dingen, aber auch ein gewisses Maß an persönlichem Einsatz für die Familie und den Betrieb, der zeitweilig auch über das Normalsoll hinausgeht („sich einbringen").
Evtl. Hinweis auf ungeschriebene Hausordnung
Aussprache zu den Eßgewohnheiten wie z.B.: Vorlieben, Eigenarten, Zugang zu den Vorräten, Anzahl der Mahlzeiten, Alkoholgenus, Rauchverhalten, Fleischverzehr (?), Mithilfe beim Abräumen des Tisches? Tischgebet? Mit Arbeitskleidung am Tisch oder vorher umziehen? Erwartungen bei weiblichen Auszubildenden bzgl. Hausarbeit?
Waschen und Pflege der Kleidung (Bettwäsche, Arbeitskleidung, private Kleidung, Kennzeichnung der Wäsche), Aufräumen des Zimmers?
Klärendes Gespräch zur Konfession und zum evtl. sonntäglichen Kirchgang, damit diesbezüglich Wünsche/Vorstellungen berücksichtigt werden können.
Möglichkeiten der Feierabend- bzw. Freizeitgestaltung abklären: Mitarbeit in Jugendgruppen, Vereinssport, Vergabe eines Haustürschlüssels? Rückkehr am Abend oder Ausgang bis zum Wecken? Hinweis auf mangelnde Arbeitsqualität, Übermüdung und Unfallgefahren ist angebracht.
Können Wünsche der Eltern zur Erziehung des Sohnes/der Tochter berücksichtigt werden? Besuch des Elternhauses während der Woche? oder vollständiger Heimschläfer?
Auf Besonderheiten, die später u.U. als Mangel empfunden werden könnten, ist in offener Aussprache hinzuweisen wie z.B. einsame Lage des Betriebes, Entfernung zur Berufsschule, Rücksichtnahme auf Altenteiler, Pflegepersonen, Nichtraucherfamilie, Kinderbetreuung, Baumaßnahmen, Hilfen bei der Direktvermarktung von Spargel, Kartoffeln, Eiern u.a., spezielle Arbeiten außerhalb der normalen Arbeitszeiten (Kalbungen, Schweine verladen, ...)

Berufstauglichkeit und körperliche Belastungen

Gesundheitliche Einschränkungen des Azubis erfragen wie z.B. Rückenprobleme, Allergien, Diabetes, Farben- und Nachtblindheit, Lern- und Konzentrationsschwächen, u.a. Hinweis geben auf die Untersuchungspflicht bzgl. der Berufstauglichkeit bei Jugendlichen vor Ausbildungsbeginn (ärztliches Attest durchaus sinnvoll auch bei volljährigen Azubis).
Hinweis geben auf eigene gesundheitliche Einschränkungen.

Abschluss

In der Regel wird eine Bedenkzeit bis zur endgültigen Entscheidung vereinbart. Zur weiteren Verständigung sollten Namen, Anschriften und Telefonnummern notiert werden und es sollte auf einer verbindlichen Rückmeldung innerhalb eines angemessenen Zeitraumes (2-3 Wochen) bestanden werden, um die Ungewissheit nicht unnötig in die Länge zu ziehen.
Bewährt hat es sich, einen weiteren Besprechungstermin unmittelbar vor Ausbildungsbeginn zu vereinbaren, in dem folgende Punkte zu regeln sind: schriftlicher Abschluss des Ausbildungsvertrages mit Personalbogen, rechtlich verbindliche Erklärungen, Gesundheitszeugnis, Schulzeugniskopie, Lohnsteuerkarte, Bankverbindungen, evtl. Sparvertrag, Vorlage des bis dahin geführten Berichtsheftes, passende Arbeitskleidung

 

Allgemeine Bewerbungstipps:

Um Ihnen den Kontakt mit einem Arbeitgeber zu erleichtern, sind hier ein paar Bewerbungstipps zusammengestellt.

Bewerben Sie sich grundsätzlich mit vollständigen Bewerbungsunterlagen! Die vollständigen Bewerbungsunterlagen bestehen aus:
- einem persönlichen Anschreiben (liegt obenauf)
- einer Bewerbungsmappe (= Anlage zum Anschreiben)

Die Bewerbungsmappe sollte Folgendes beinhalten:
- ein Deckblatt mit Lichtbild
- einen Lebenslauf (am besten tabellarisch)
- Sollten weitere Angaben wie polizeiliches Führungszeugnis, Arbeitsproben oder ein Gesundheitszeugnis ausdrücklich gefordert sein, so sollten Sie diese auch beifügen.

Äußere Form der Bewerbungsunterlagen:
- Weißes Briefpapier oder hochwertiges Recyclingpapier. Auch beim Briefumschlag sollten Sie nicht sparen. Am besten verwenden Sie Briefumschläge mit Kartonrücken.
- Bewerbungen werden üblicherweise nicht per Einschreiben oder Eilboten verschickt.  Ganz wichtig: achten Sie auf ausreichende Frankierung! - Auf dem Briefumschlag dürfen sich neben den Briefmarken nur noch der Adressaufkleber und Ihr Absender befinden.  Als Hefter sollten Sie einen Klemmhefter der Marke Duraclip oder einen ähnlichen verwenden.

Inhaltliche Form der Bewerbung:

Das Bewerbungsanschreiben: Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihrem zukünftigen Arbeitgeber mitzuteilen, warum Sie Interesse an der ausgeschriebenen Stelle haben und warum Sie für diese Stelle geeignet sind. Das Anschreiben sollte weder von falscher Bescheidenheit noch von Überheblichkeit geprägt sein. Zudem ist es das erste, was der zukünftige Arbeitgeber über Sie erfährt.
Das Anschreiben sollte nicht länger als 2 DIN A 4 Seiten sein.
Das Bewerbungsanschreiben sollte enthalten:
- Im Betreff die Stelle, auf die Sie sich bewerben.
- Die Bekundung des Interesses an der ausgeschriebenen Stelle
- Eine kurze Darstellung Ihrer Person.
- Einen Hinweis auf Kenntnisse, Erfahrungen oder Eigenschaften.
- Begründung, warum Sie sich um diese Stelle bewerben und dafür besonders geeignet sind.

Achten Sie auf:
- Ein nicht zu ausführliches Anschreiben. Nehmen Sie nicht Ihren kompletten Lebenslauf vorweg!
- Kurze, unkomplizierte Sätze, keine Wiederholungen.
- Eine persönliche Schlussformulierung wie: "Zu einem persönlichen Gespräch stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung und freue mich über Ihre Einladung".
- Eine Grußformel, üblicherweise: "Mit freundlichen Grüßen" und Unterschrift.

Der Lebenslauf:
Der Lebenslauf, in der Regel tabellarisch, ist das Kernstück der Bewerbung. Er sollte übersichtlich und klar gegliedert sein und mit Hilfe einer Textverarbeitung erstellt worden sein. Handgeschriebene Lebensläufe sind eher unüblich, werden jedoch manchmal ausdrücklich gefordert.
Er sollte zunächst Ihre Person, dann Ihre Qualifikation und dann Ihren beruflichen Werdegang enthalten. Heben Sie positive Abschnitte durch ausführlichere Beschreibungen hervor.
Sie sollten für jede einzelne Bewerbung sowohl das Bewerbungsanschreiben als auch den Lebenslauf variieren, da jede Stelle ein anderes Anforderungsprofil hat.

Was noch in der Bewerbungsmappe nicht fehlen darf:
- Lichtbild (gute Qualität, nicht zu alt)
- Schul- und Ausbildungszeugnisse,
- Zertifikate, Arbeitszeugnisse und Praktikumsbescheinigungen ( in chronologischer Reihenfolge)
- sonstige Referenzen